Zum Plaudern bei der Gräfin

Besuch auf dem Anwesen Gherardi Del Testa

Fotos: Giuseppe Laiolo

Wenn Elisa Santoni an der prächtigen Villa der Adelsfamilie Gherardi del Testa am Dorfeingang von Terricciola vorbeigeht, muss sie unwillkürlich an unbeschwerte Kindertage denken. Im Hof des Anwesens hat sie oft und gerne mit den Kindern der Gräfin, Esmeralda und Giuseppe, und anderen Mädchen Volleyball, Monopoli und Karten gespielt. Auf dem Dachboden der Villa hatten sie ihren „Club“ eingerichtet und die Räume auf dem Speicher des Hauses des Gutsverwalters boten jede Menge Stoff für Gruselgeschichten. Im Sommer sind sie durch „La Ragnaia“, den Wald rund um das Herrenhaus, gestrolcht und haben die Hypogäen (unterirdische Gewölbe aus der Zeit der Etrusker) erkundet. “Die historischen Gemäuer, fantastischen Fresken und Gemälde der Casa Gherardi waren die Kulissen unserer Spiele“, erinnert sich Elisa.

Zu Gast bei den Gherardis

Seit einigen Jahren öffnet Gräfin Valeria ihr Haus gelegentlich auch für Gäste. Begleitet von Conte Cosimo, dem Neffen der Gräfin, und seiner Frau Rebecca, erhalten die Besucher Einblicke in die prächtigen Räumlichkeiten mit ihren wunderschönen Fresken und dem zum Teil jahrhundertealten Mobiliar. Sehenswert sind auch die zahlreichen Kunstwerke, die sich seit jeher im Besitz der Familie befinden – darunter eine Madonna, die Andrea del Sarto zugeschrieben wird und die lange Jahre in der Familienkapelle stand. In vielen Räumen stehen Fotos vom letzten König von Italien „Umberto II di Savoia“ – einige mit handgeschriebener Widmung an die Familie. Am Ende dieser sehr persönlichen Zeitreise durch das 17., 18. und 19. Jahrhundert, wartet Gräfin Valeria, eine kluge und immer noch sehr schöne Frau, im großen Saal der Villa mit Aperitifs, toskanischem Wein, hausgemachten Keksen, Mini Sandwiches, Schiacciata, Käse und Wurst auf die Gäste. Und mit ein bisschen Glück erfährt man beim Plaudern mit der Dame des Hauses weitere Geheimnisse dieser prächtigen historischen Villa und ihrer Bewohner.

In folgendem Link: mehr Informationen über die Besichtigung und viele schöne Fotos von der Villa Gherardi del Testa.

Die Villa

1660 für Sebastiano Gherardi Del Testa aus Pisa erbaut und im 18. und 19. Jahrhundert von seinen Nachfahren erweitert, steht die prächtige Villa bereits seit über 400 Jahren am Dorfeingang von Terricciola. Die Gherardi del Testa’s zählten zu den einflussreichsten Adelsfamilien der Toskana und das Anwesen zeugt noch heute von dem in damaliger Zeit typischen System der Naturalpacht. Das heißt, dass die Pacht mit einem Teil der Ernte beglichen wurde. Über die Jahrhunderte sind zahlreiche Zeugnisse erhalten geblieben, die den Besuchern in den Sälen, Kellereien und Speichern des Anwesens interessante Einblicke in das Leben des Landadels gewähren. Auch ein Abstecher in den Garten lohnt, denn im giardino di ponente, dem westlichen Teil des Gartens, finden sich noch Reste der fantastischen Marmortreppe, die die Villa einst mit dem Hauptgarten verband. Heute erinnert in diesem öffentlichen Teil des Garten eine Statue an die Opfer des 2. Weltkrieges.

Die Familie und die schönen Künste

Geboren 1814 und aufgewachsen im Herrenhaus der Familie in Terricciola, studiert Tommaso Gherardi del Testa zunächst in Pisa Jura und lässt sich später als Rechtsanwalt in Florenz nieder. Den jungen Mann verbindet eine tiefe Liebe zum Theater und den schönen Künsten. 1848, als er im Krieg gegen die Österreicher in Gefangenschaft gerät, schreibt er eine poetische Komposition „an die Frauen von Mantua“ („Alle donne di Mantova“). In seine Heimat zurückgekehrt, wird er zu einem populären Lustspiel-Autor, der bei den großen Theaterkompanien seiner Zeit sehr begehrt ist. Seine ungemein zahlreichen Komödien erschienen gesammelt unter dem Titel: Teatro comico (Florenz 1856–58, 4 Bde.). Außerdem schrieb Gherardi die Romane: „La farina del diavolo“ und „La povera e la ricca“, ein Sittengemälde, das hier und da an Gil Blas erinnert, sowie eine Anzahl sehr gelungener politischer Gedichte im Stil Giuseppe Giustis. Das Theater von Terricciola wurde dem bekannten Sohn der Stadt gewidmet.  Das historische Gebäude befindet sich schräg gegenüber der Villa.

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