„Kleines Reisetagebuch“ Teil 2

Toskana mit Hund – 2. Teil

Am Freitagabend, kurz vor 20:00 Uhr, haben Jule, Michael und die drei Hunde ihre Freunde in München erreicht. Die Hunde sind ziemlich platt und die beiden Hamburger entscheiden, dass es für die Vierbeiner nur einen kleinen Snack aus getrocknetem Hühnerfilet gibt. In der Nähe ist eine kleine Wiese – nichts zum Toben, aber darauf haben Lancy, Sunny und Luna jetzt eh keinen Bock.

23. März: München ist erreicht

Von Charly werden wir mit heißen Käse-Würstchen und Kartoffelstampf verwöhnt. Nicht nur die Hunde sind fertig von 800 Kilometern, auch wir wollen nur noch ins Bett.

Erst mal was futtern! © J. Thumser & M. Wahlert  
Erst mal was futtern! © J. Thumser & M. Wahlert

24. März: 2. Etappe

Um kurz nach halb neun sind wir „on the road again“. In Bayern haben die Osterferien begonnen und wir haben das Gefühl, ganz München ist auf dem Weg Richtung Süden. Stop and go! Aber wir bleiben gelassen. Wir haben schließlich Urlaub. Gut 700 Kilometer liegen vor uns! Kurz vor halb Zwölf haben wir die Österreichische Grenze erreicht. Nach 20 Kilometern legen wir die erste Pause ein. Die Hunde sind glücklich: schnüffeln, lösen sich und haben Durst. Mit einem Cappuccino to go geht es weiter. Eine halbe Stunde später zahlen wir die Maut für den Brenner und kurz vor halb Eins haben wir bella Italia erreicht. Gegen 14:00 Uhr machen wir eine Pause. Das Thermometer zeigt 15°, die Sonne lacht und wir bekommen langsam Urlaubsstimmung.

Erste Pipi-Pause in Italien © J. Thumser & M. Wahlert  
Erste Pipi-Pause in Italien © J. Thumser & M. Wahlert

Als wir wieder im Auto sind zeigt das Navi: noch 419 Kilometer bis Terricciola! Gegen vier machen wir eine letzte Pause. Die Hunde haben augenscheinlich keine Lust mehr und springen nicht wie sonst freudig ins Auto. Mit ein wenig Überredung steigen sie aber doch ein. Für die letzten 160 Kilometer brauchen wir fast zweieinhalb Stunden – obwohl nicht wirklich viel Verkehr herrscht. Auf die letzten Meter haben wir uns noch verfahren. Statt Terricciola hatten wir nur die Postleitzahl in das Navi eingegeben. Also landen wir in einem Nachbardorf, in einer Straße mit dem selben Namen. Wir rufen Elisa an, die uns aufklärt, dass die Dörfer hier in der Umgebung alle die gleiche Postleitzahl haben und wir „Terricciola“ eingeben müssen. Zehn Minuten später haben wir endlich nach fast zehn Stunden unser Ziel erreicht.

Jetzt heißt es auspacken, Hunde füttern und etwas frisch machen, denn Elisa und Davide haben uns zu einem Begrüßungs-Dinner ins Restaurant eingeladen. Unser Appartement ist ein Traum, wir fühlen uns sofort heimisch. Die Hunde schnüffeln an ihrem Futter, scheinen aber keinen Appetit zu haben. Die beiden Tage im Auto waren wohl doch nicht so ganz nach ihrem Geschmack. Etwas lustlos steigen sie wieder ins Auto und wir folgen Davide zum Restaurant. Ein toller Laden: mit offenem Feuer, über dem auf einem Rost das Fleisch brät. Wir sitzen an einer langen Tafel mit Elisas Eltern Irene und Roberto, ihren Kindern, Alessandro und Matteo, sowie ihren Freunden Francesca und Michele. Wir sind in Italien angekommen. Für die Hunde hat die Wirtin zwei Decken und Näpfe mit Wasser vorbereitet – sehr aufmerksam. Die Hunde sind platt und die Oldies schlafen auf der Stelle ein. Luna ist etwas unsicher und muss auf Frauchens Schoß. Das Essen ist der Wahnsinn! Vielfältige Antipasti misti (für Karnivore und Vegetarier), Spaghetti al Ragú di Chianina, 2 x 2-Kilos Rumpsteaks mit Knochen, verschiedene Beilagen, Dessert. Zurück im InToscana fallen wir todmüde ins Bett!

25. März: Der Urlaub kann beginnen

Wir haben mehr als zehn Stunden am Stück geschlafen. Sunny ist unruhig, also schnell etwas übergezogen und raus mit der alten Dame. Die Spitze rennen hinterher. Es ist frisch, aber die Sonne lacht von einem blauen Himmel. Ich kann mich kaum noch an die Kälte in Hamburg erinnern! Luna hat mal wieder nichts als Ballspielen im Kopf und tobt durch das vom Morgentau feuchte Gras. Der riesige Garten vom InToscana ist voll eingezäunt, also brauche ich mir keine Sorgen machen. Gassibeutel haben wir auch reichlich eingepackt – also alles im grünen Bereich. Als wir wieder oben im Appartement sind, hat Michael schon Tee für mich gekocht. Ich habe natürlich nur an meinen Tee gedacht und weder Filtertüten noch Kaffee eingepackt. Nach den ersten Bechern Tee also schnell unter die Dusche und ab ins Dorf. 

In den engen Straßen von Terricciola ist Sonntagmorgen schon einiges los. Nur schmale Bürgersteige und ein doch reger Autoverkehr. Also haben wir die Hunde besser an der Leine. Nach einigem Fragen – Michael hat ein klein wenig Italienisch gelernt – haben wir das Café gefunden, setzten uns vor die Tür in die Sonne und genießen Cornetti (so heißen hier die Croissants) mit Salami, Panini und Cappuccino. Es ist eine Menge los hier in den Straßen und unsere drei Hunde erregen sehr viel Aufmerksamkeit. Aber nicht so, wie in Hamburg, wo man oftmals schon mit nur einem Hund schief angeschaut wird. Ich verstehe zwar nicht viel, aber augenscheinlich finden hier alle unsere Hunde toll! 

Caffé del Borgo – einer unserer Lieblingsplätze in Terricciola © J. Thumser & M. Wahlert  
Caffé del Borgo – einer unserer Lieblingsplätze in Terricciola © J. Thumser & M. Wahlert

Den Rest des Tages verbringen wir mit süßem Nichtstun. Die Hunde kennen sich langsam aus, haben auch schon ihre Lieblingsplätzchen gefunden und kennen den Weg in den Garten. Luna ist die erste, die selbständig hinunter geht. Lancy bleibt dicht an meiner Seite. Mit Elisas Kindern und den Kindern anderer Gäste läuft alles friedlich, allein Luna hat Spaß daran gefunden, Matteo anzubellen. Als sich Matteo das erste Mal traut, darauf mit einem lauten „Pfui“ zu reagieren, sind die Fronten klar geregelt. Nebenan im Appartement wohnt Diego – augenscheinlich ein Schäfer-Mix – mit seinen Leuten. Beim ersten Treffen gebe ich eine Runde Leckerlies aus. Gemeinsam futtern macht Freunde! Also wäre auch das geklärt: Diego darf passieren!

Luna liebt es, in der Sonne zu liegen. © J. Thumser & M. Wahlert  
Luna liebt es, in der Sonne zu liegen. © J. Thumser & M. Wahlert

Nichtstun macht verdammt hungrig. Jedenfalls uns Zweibeins. Die Hunde schnüffeln wieder nur an ihrem Futter und Sunny nimmt ein paar Happen, aber die Spitze tun so, als hätte ich ihnen den letzten Mist serviert. Wir gehen erneut ins Dorf. Ziel: Pizzeria. Ein kleiner Laden mit nur wenigen Tischen, aber um diese Zeit tobt hier das Leben. Die Hunde scheinen willkommen, im Grunde sehr willkommen, denn sofort ist eine Schale Wasser für sie da. Der Pizzabäcker kommt aus der Küche und verfüttert etwas Schinken an unsere vierbeinigen Begleiter. Hier sind wir richtig und auch die Pizza Prosciutto ist genau das, was wir jetzt brauchen. Der Weg zurück ist weniger anstrengend, es geht bergab. Es ist kurz vor zehn, aber die Hunde sind genauso platt wie wir vom Nichtstun und wir fallen auch heute wieder todmüde ins Bett. 

26. März: Erstmal was einkaufen

Wieder zehn Stunden am Stück geschlafen! Also schnell raus mit den Hunden in den Garten. Gassibeutel vergessen, also muss ich die Wiese anschließend noch einmal absuchen. Sunnys Verdauung lässt mich Hühnchen und Reis auf den Einkaufszettel schreiben. Also lag es nicht am Futter – den dreien ist die lange Reise irgendwie auf den Magen geschlagen. Michael hat Cornetti, Butter, Mokka und Frischkäse besorgt. Zusammen mit dem Begrüßungspaket, in dem sich auch leckerer italienischer Aufschnitt befindet, können wir das erste Mal in der Sonne vor „unserer“ Haustür frühstücken! Diego kommt vorbei und ich spendiere wieder eine Runde getrocknetes Hühnerfilet. Die Freundschaft wird langsam aber sicher besiegelt.

Für heute ist Einkaufen angesagt. Neben Filterkaffee für Michael, stehen Hühnchen und Reis ganz oben auf dem Zettel. Während Michael im Supermarkt ist, sitze ich mit den Hunden in der Sonne davor. Als wir zurück sind, erklärt uns Elisa, dass wir Mokka gekauft haben. Nicht eben das Richtige angesichts von Michaels ständigem Kaffeekonsum! Irene lädt uns auf einen Kaffee, also einen Espresso, ein – ich bekomme Milch dazu! So gestärkt fahren wir noch einmal los. In einem anderen Supermarkt finden wir tatsächlich Filtertüten und Kaffeepulver american style! Und Michael entdeckt sogar naturtrüben Apfelsaft für meine Apfelschorle!

Am Nachmittag koche ich Hühnchen mit Reis für die Hunde. Sunny ist mäßig begeistert, frisst aber ein wenig. Die Spitze schnuppern nur. So langsam mache ich mir Sorgen. Denke schon darüber nach, wie mir Alessandro beim Tierarzt als Dolmetscher hilft. Für den Abend hat Elisa für uns in einem Restaurant, in dem eigentlich gar keine Hunde erlaubt sind, einen Tisch reserviert. Wir werden sofort erkannt und bekommen – wie gewünscht – einen Tisch etwas abseits, wo die Hunde nicht im Weg liegen und ihre Ruhe haben. Von Ruhe kann man eigentlich nicht sprechen, denn im Nebenraum wird gerade ein Kindergeburtstag gefeiert. Das Restaurant ist ohnehin gut besucht und wir schauen dem Treiben an den Nebentischen fasziniert zu. Unsere Hunde erfahren auch hier wieder die gleiche Begeisterung und der obligatorische Napf mit Wasser ist sofort zur Stelle. Wir bestellen eine kleine Vorspeise und Pasta und trinken zum Nachtisch einen Cappuccino, was uns spätestens jetzt als „Tedesco“ – als Deutsche – outet! Gegen 22:00 Uhr sind wir wieder zurück im InToscana und die Hunde gehen tatsächlich an die Schüsseln mit Hühnchen ran und futtern ein bisschen. Und wir fallen mal wieder todmüde ins Bett. 

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